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Part. 01

23. 3. 2019

The Sorrows of Young Werther
→Die Leiden des jungen Werther   BOOK I
→ Das erste Buch

MAY 4. How happy I am that I am gone! My dear friend, what a thing is the heart of man! To leave you, from whom I have been inseparable, whom I love so dearly, and yet to feel happy! I know you will forgive me.
→Am 4. Mai 1771.   Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir's.

Have not other attachments been specially appointed by fate to torment a head like mine? Poor Leonora! and yet I was not to blame.
→Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen? Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig.

Was it my fault, that, whilst the peculiar charms of her sister afforded me an agreeable entertainment, a passion for me was engendered in her feeble heart? And yet am I wholly blameless?
→Konnt' ich dafür, daß, während die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung verschafften, daß eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch – bin ich ganz unschuldig?

Did I not encourage her emotions? Did I not feel charmed at those truly genuine expressions of nature, which, though but little mirthful in reality, so often amused us? Did I not
→ but oh! what is man, that he dares so to accuse himself?
→Hab' ich nicht ihre Empfindungen genährt? hab' ich mich nicht an den ganz wahren Ausdrücken der Natur, die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich sie waren, selbst ergetzt? hab' ich nicht – O was ist der Mensch, daß er über sich klagen darf!

My dear friend I promise you I will improve; I will no longer, as has ever been my habit, continue to ruminate on every petty vexation which fortune may dispense;
→Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe;

I will enjoy the present, and the past shall be for me the past.
→ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein.

No doubt you are right, my best of friends, there would be far less suffering amongst mankind, if men - and God knows why they are so fashioned - did not employ their imaginations so assiduously in recalling the memory of past sorrow, instead of bearing their present lot with equanimity.
→Gewiß, du hast recht, Bester, der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht – Gott weiß, warum sie so gemacht sind! – mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen, eher als eine gleichgültige Gegenwart zu ertragen.

Be kind enough to inform my mother that I shall attend to her business to the best of my ability, and shall give her the earliest information about it.
→Du bist so gut, meiner Mutter zu sagen, daß ich ihr Geschäft bestens betreiben und ihr ehstens Nachricht davon geben werde.

I have seen my aunt, and find that she is very far from being the disagreeable person our friends allege her to be. She is a lively, cheerful woman, with the best of hearts.
→ Ich habe meine Tante gesprochen und bei weitem das böse Weib nicht gefunden, das man bei uns aus ihr macht. Sie ist eine muntere, heftige Frau von dem besten Herzen.

I explained to her my mother's wrongs with regard to that part of her portion which has been withheld from her. She told me the motives and reasons of her own conduct, and the terms on which she is willing to give up the whole, and to do more than we have asked.
→Ich erklärte ihr meiner Mutter Beschwerden über den zurückgehaltenen Erbschaftsanteil; sie sagte mir ihre Gründe, Ursachen und die Bedingungen, unter welchen sie bereit wäre, alles herauszugeben, und mehr als wir verlangten.

In short, I cannot write further upon this subject at present; only assure my mother that all will go on well.
→– Kurz, ich mag jetzt nichts davon schreiben, sage meiner Mutter, es werde alles gut gehen.

And I have again observed, my dear friend, in this trifling affair, that misunderstandings and neglect occasion more mischief in the world than even malice and wickedness. At all events, the two latter are of less frequent occurrence.
→Und ich habe, mein Lieber, wieder bei diesem kleinen Geschäft gefunden, daß Mißverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit. Wenigstens sind die beiden letzteren gewiß seltener.

In other respects I am very well off here. Solitude in this terrestrial paradise is a genial balm to my mind, and the young spring cheers with its bounteous promises my oftentimes misgiving heart.
→ Übrigens befinde ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahrszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz.

Every tree, every bush, is full of flowers; and one might wish himself transformed into a butterfly, to float about in this ocean of perfume, and find his whole existence in it.
→Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.

The town itself is disagreeable; but then, all around, you find an inexpressible beauty of nature. This induced the late Count M to lay out a garden on one of the sloping hills which here intersect each other with the most charming variety, and form the most lovely valleys.
→Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche Schönheit der Natur. Das bewog den verstorbenen Grafen von M.., einen Garten auf einem der Hügel anzulegen, die mit der schönsten Mannigfaltigkeit sich kreuzen und die lieblichsten Täler bilden.

The garden is simple; and it is easy to perceive, even upon your first entrance, that the plan was not designed by a scientific gardener, but by a man who wished to give himself up here to the enjoyment of his own sensitive heart.
→Der Garten ist einfach, und man fühlt gleich bei dem Eintritte, daß nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein fühlendes Herz den Plan gezeichnet, das seiner selbst hier genießen wollte.

Many a tear have I already shed to the memory of its departed master in a summer-house which is now reduced to ruins, but was his favourite resort, and now is mine.
→Schon manche Träne hab' ich dem Abgeschiedenen in dem verfallenen Kabinettchen geweint, das sein Lieblingsplätzchen war und auch meines ist.

I shall soon be master of the place. The gardener has become attached to me within the last few days, and he will lose nothing thereby.
→Bald werde ich Herr vom Garten sein; der Gärtner ist mir zugetan, nur seit den paar Tagen, und er wird sich nicht übel dabei befinden.


→MAY 10. A wonderful serenity has taken possession of my entire soul, like these sweet mornings of spring which I enjoy with my whole heart.
→Am 10. Mai. Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße.

I am alone, and feel the charm of existence in this spot, which was created for the bliss of souls like mine. I am so happy, my dear friend, so absorbed in the exquisite sense of mere tranquil existence, that I neglect my talents.
→Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet.

I should be incapable of drawing a single stroke at the present moment; and yet I feel that I never was a greater artist than now.
→Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken.

When, while the lovely valley teems with vapour around me, and the meridian sun strikes the upper surface of the impenetrable foliage of my trees, and but a few stray gleams steal into the inner sanctuary, I throw myself down among the tall grass by the trickling stream; and, as I lie close to the earth, a thousand unknown plants are noticed by me:
→Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden;

when I hear the buzz of the little world among the stalks, and grow familiar with the countless indescribable forms of the insects and flies, then I feel the presence of the Almighty, who formed us in his own image, and the breath of that universal love which bears and sustains us, as it floats around us in an eternity of bliss;
→wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält;

and then, my friend, when darkness overspreads my eyes, and heaven and earth seem to dwell in my soul and absorb its power, like the form of a beloved mistress, then I often think with longing,
→mein Freund! wenn's dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhn wie die Gestalt einer Geliebten – dann sehne ich mich oft und denke:

Oh, would I could describe these conceptions, could impress upon paper all that is living so full and warm within me, that it might be the mirror of my soul, as my soul is the mirror of the infinite God!
→Ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, daß es würde der Spiegel deiner Seele, wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes!

God! O my friend - but it is too much for my strength - I sink under the weight of the splendour of these visions!
→– Mein Freund – Aber ich gehe darüber zugrunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser Erscheinungen.

MAY 12. I know not whether some deceitful spirits haunt this spot, or whether it be the warm, celestial fancy in my own heart which makes everything around me seem like paradise.
→Am 12. Mai. Ich weiß nicht, ob täuschende Geister um diese Gegend schweben, oder ob die warme, himmlische Phantasie in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so paradiesisch macht.

In front of the house is a fountain, - a fountain to which I am bound by a charm like Melusina and her sisters.
→Da ist gleich vor dem Orte ein Brunnen, ein Brunnen, an den ich gebannt bin wie Melusine mit ihren Schwestern.

→ Descending a gentle slope, you come to an arch, where, some twenty steps lower down, water of the clearest crystal gushes from the marble rock.
→– Du gehst einen kleinen Hügel hinunter und findest dich vor einem Gewölbe, da wohl zwanzig Stufen hinabgehen, wo unten das klarste Wasser aus Marmorfelsen quillt.

The narrow wall which encloses it above, the tall trees which encircle the spot, and the coolness of the place itself, - everything imparts a pleasant but sublime impression.
→Die kleine Mauer, die oben umher die Einfassung macht, die hohen Bäume, die den Platz rings umher bedecken, die Kühle des Orts; das hat alles so was Anzügliches, was Schauerliches.

→Not a day passes on which I do not spend an hour there. The young maidens come from the town to fetch water, - innocent and necessary employment, and formerly the occupation of the daughters of kings.
→Es vergeht kein Tag, daß ich nicht eine Stunde da sitze. Da kommen dann die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten.

As I take my rest there, the idea of the old patriarchal life is awakened around me. I see them, our old ancestors, how they formed their friendships and contracted alliances at the fountain-side; and I feel how fountains and streams were guarded by beneficent spirits.
→Wenn ich da sitze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister schweben.

He who is a stranger to these sensations has never really enjoyed cool repose at the side of a fountain after the fatigue of a weary summer day.
→O der muß nie nach einer schweren Sommertagswanderung sich an des Brunnens Kühle gelabt haben, der das nicht mitempfinden kann.


→MAY 13. You ask if you shall send me books. My dear friend, I beseech you, for the love of God, relieve me from such a yoke! I need no more to be guided, agitated, heated. My heart ferments sufficiently of itself.
→Am 13. Mai. Du fragst, ob du mir meine Bücher schicken sollst? – Lieber, ich bitte dich um Gottes willen, laß mir sie vom Halse! Ich will nicht mehr geleitet, ermuntert, angefeuert sein, braust dieses Herz doch genug aus sich selbst;

I want strains to lull me, and I find them to perfection in my Homer.
→ich brauche Wiegengesang, und den habe ich in seiner Fülle gefunden in meinem Homer.

Often do I strive to allay the burning fever of my blood; and you have never witnessed anything so unsteady, so uncertain, as my heart.
→Wie oft lull' ich mein empörtes Blut zur Ruhe, denn so ungleich, so unstet hast du nichts gesehn als dieses Herz.

But need I confess this to you, my dear friend, who have so often endured the anguish of witnessing my sudden transitions from sorrow to immoderate joy, and from sweet melancholy to violent passions?
→Lieber! brauch' ich dir das zu sagen, der du so oft die Last getragen hast, mich vom Kummer zur Ausschweifung und von süßer Melancholie zur verderblichen Leidenschaft übergehen zu sehn?

I treat my poor heart like a sick child, and gratify its every fancy.
→Auch halte ich mein Herzchen wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet.

Do not mention this again: there are people who would censure me for it.
→Sage das nicht weiter; es gibt Leute, die mir es verübeln würden.  

MAY 15.
→The common people of the place know me already, and love me, particularly the children. When at first I associated with them, and inquired in a friendly tone about their various trifles, some fancied that I wished to ridicule them, and turned from me in exceeding ill-humour.
→Am 15. Mai.   Die geringen Leute des Ortes kennen mich schon und lieben mich, besonders die Kinder. Eine traurige Bemerkung hab' ich gemacht. Wie ich im Anfange mich zu ihnen gesellte, sie freundschaftlich fragte über dies und das, glaubten einige, ich wollte ihrer spotten, und fertigten mich wohl gar grob ab.

I did not allow that circumstance to grieve me. I only felt most keenly what I have often before observed: Persons who can claim a certain rank keep themselves coldly aloof from the common people, as though they feared to lose their importance by the contact;
→Ich ließ mich das nicht verdrießen; nur fühlte ich, was ich schon oft bemerkt habe, auf das lebhafteste: Leute von einigem Stande werden sich immer in kalter Entfernung vom gemeinen Volke halten, als glaubten sie durch Annäherung zu verlieren;

whilst wanton idlers, and such as are prone to bad joking, affect to descend to their level, only to make the poor people feel their impertinence all the more keenly.
→und dann gibt's Flüchtlinge und üble Spaßvögel, die sich herabzulassen scheinen, um ihren Übermut dem armen Volke desto empfindlicher zu machen.

I know very well that we are not all equal, nor can be so;
→Ich weiß wohl, daß wir nicht gleich sind, noch sein können; aber ich halte dafür, daß der, der nötig zu haben glaubt,

but it is my opinion that he who avoids the common people, in order not to lose their respect, is as much to blame as a coward who hides himself from his enemy because he fears defeat.
→vom so genannten Pöbel sich zu entfernen, um den Respekt zu erhalten, ebenso tadelhaft ist als ein Feiger, der sich vor seinem Feinde verbirgt, weil er zu unterliegen fürchtet.

The other day I went to the fountain, and found a young servant-girl, who had set her pitcher on the lowest step, and looked around to see if one of her companions was approaching to place it on her head.
→Letzthin kam ich zum Brunnen und fand ein junges Dienstmädchen, das ihr Gefäß auf die unterste Treppe gesetzt hatte und sich umsah, ob keine Kamerädin kommen wollte, ihr es auf den Kopf zu helfen.

I ran down, and looked at her. "Shall I help you, pretty lass?" said I.
→Ich stieg hinunter und sah sie an. – »Soll ich Ihr helfen, Jungfer?« sagte ich.

She blushed deeply. "Oh, sir!" she exclaimed. "No ceremony!" I replied. She adjusted her head-gear, and I helped her. She thanked me, and ascended the steps.
→– Sie ward rot über und über. – »O nein, Herr!« sagte sie. – »Ohne Umstände.« – Sie legte ihren Kringen zurecht, und ich half ihr. Sie dankte und stieg hinauf.

17. května Seznámil jsem se s všelijakými lidmi, společnost jsem si dosud nenašel.
→MAY 17. I have made all sorts of acquaintances, but have as yet found no society.

I know not what attraction I possess for the people, so many of them like me, and attach themselves to me; and then I feel sorry when the road we pursue together goes only a short distance.
→Ich weiß nicht, was ich Anzügliches für die Menschen haben muß; es mögen mich ihrer so viele und hängen sich an mich, und da tut mir's weh, wenn unser Weg nur eine kleine Strecke miteinander geht.

If you inquire what the people are like here, I must answer, "The same as everywhere." The human race is but a monotonous affair.
→Wenn du fragst, wie die Leute hier sind, muß ich dir sagen: wie überall! Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht.

Most of them labour the greater part of their time for mere subsistence; and the scanty portion of freedom which remains to them so troubles them that they use every exertion to get rid of it.
→Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bißchen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden.

Oh, the destiny of man! But they are a right good sort of people.
→O Bestimmung des Menschen! Aber eine recht gute Art Volks!

If I occasionally forget myself, and take part in the innocent pleasures which are not yet forbidden to the peasantry, and enjoy myself, for instance, with genuine freedom and sincerity, round a well-covered table, or arrange an excursion or a dance opportunely, and so forth, all this produces a good effect upon my disposition;
→ Wenn ich mich manchmal vergesse, manchmal mit ihnen die Freuden genieße, die den Menschen noch gewährt sind, an einem artig besetzten Tisch mit aller Offen – und Treuherzigkeit sich herumzuspaßen, eine Spazierfahrt, einen Tanz zur rechten Zeit anzuordnen, und dergleichen, das tut eine ganz gute Wirkung auf mich;

only I must forget that there lie dormant within me so many other qualities which moulder uselessly, and which I am obliged to keep carefully concealed.
→nur muß mir nicht einfallen, daß noch so viele andere Kräfte in mir ruhen, die alle ungenutzt vermodern und die ich sorgfältig verbergen muß.

Ah! this thought affects my spirits fearfully. And yet to be misunderstood is the fate of the like of us. Alas, that the friend of my youth is gone! Alas, that I ever knew her!
→Ach das engt das ganze Herz so ein. – Und doch! mißverstanden zu werden, ist das Schicksal von unsereinem. Ach, daß die Freundin meiner Jugend dahin ist, ach, daß ich sie je gekannt habe!

I might say to myself, "You are a dreamer to seek what is not to be found here below." But she has been mine. I have possessed that heart, that noble soul, in whose presence I seemed to be more than I really was, because I was all that I could be.
→– Ich würde sagen: Du bist ein Tor! du suchst, was hienieden nicht zu finden ist! Aber ich habe sie gehabt, ich habe das Herz gefühlt, die große Seele, in deren Gegenwart ich mir schien mehr zu sein, als ich war, weil ich alles war, was ich sein konnte.

Good heavens! did then a single power of my soul remain unexercised? In her presence could I not display, to its full extent, that mysterious feeling with which my heart embraces nature?
→Guter Gott! blieb da eine einzige Kraft meiner Seele ungenutzt? Konnt' ich nicht vor ihr das ganze wunderbare Gefühl entwickeln, mit dem mein Herz die Natur umfaßt?

Was not our intercourse a perpetual web of the finest emotions, of the keenest wit, the varieties of which, even in their very eccentricity, bore the stamp of genius?
→War unser Umgang nicht ein ewiges Weben von der feinsten Empfindung, dem schärfsten Witze, dessen Modifikationen, bis zur Unart, alle mit dem Stempel des Genies bezeichnet waren?

Alas! the few years by which she was my senior brought her to the grave before me. Never can I forget her firm mind or her heavenly patience.
→Und nun! – Ach ihre Jahre, die sie voraus hatte, führten sie früher ans Grab als mich. Nie werde ich sie vergessen, nie ihren festen Sinn und ihre göttliche Duldung.

A few days ago I met a certain young V.., a frank, open fellow, with a most pleasing countenance.
→Vor wenig Tagen traf ich einen jungen V.. an, einen offnen Jungen, mit einer gar glücklichen Gesichtsbildung.

He has just left the university, does not deem himself overwise, but believes he knows more than other people.
→Er kommt erst von Akademien, dünkt sich eben nicht weise, aber glaubt doch, er wisse mehr als andere.

He has worked hard, as I can perceive from many circumstances, and, in short, possesses a large stock of information.
→Auch war er fleißig, wie ich an allerlei spüre, kurz, er hat hübsche Kenntnisse.

When he heard that I am drawing a good deal, and that I know Greek (two wonderful things for this part of the country), he came to see me, and displayed his whole store of learning, from Batteaux to Wood, from De Piles to Winkelmann: he assured me he had read through the first part of Sultzer's theory, and also possessed a manuscript of Heyne's work on the study of the antique.
→Da er hörte, daß ich viel zeichnete und Griechisch könnte (zwei Meteore hierzulande), wandte er sich an mich und kramte viel Wissens aus, von Batteux bis zu Wood, von de Piles zu Winckelmann, und versicherte mich, er habe Sulzers Theorie, den ersten Teil, ganz durchgelesen und besitze ein Manuskript von Heynen über das Studium der Antike.

→I allowed it all to pass. I have become acquainted, also, with a very worthy person, the district judge, a frank and open-hearted man.
→Ich ließ das gut sein. Noch gar einen braven Mann habe ich kennen lernen, den fürstlichen Amtmann, einen offenen, treuherzigen Menschen.

I am told it is a most delightful thing to see him in the midst of his children, of whom he has nine. His eldest daughter especially is highly spoken of.
→Man sagt, es soll eine Seelenfreude sein, ihn unter seinen Kindern zu sehen, deren er neun hat; besonders macht man viel Wesens von seiner ältesten Tochter.

He has invited me to go and see him, and I intend to do so on the first opportunity.
→Er hat mich zu sich gebeten, und ich will ihn ehster Tage besuchen.

He lives at one of the royal hunting-lodges, which can be reached from here in an hour and a half by walking, and which he obtained leave to inhabit after the loss of his wife, as it is so painful to him to reside in town and at the court.
→Er wohnt auf einem fürstlichen Jagdhofe, anderthalb Stunden von hier, wohin er nach dem Tode seiner Frau zu ziehen die Erlaubnis erhielt, da ihm der Aufenthalt hier in der Stadt und im Amthause zu weh tat.

There have also come in my way a few other originals of a questionable sort, who are in all respects undesirable, and most intolerable in their demonstration of friendship.
→Sonst sind mir einige verzerrte Originale in den Weg gelaufen, an denen alles unausstehlich ist, am unerträglichsten ihre Freundschaftsbezeigungen.

Good-bye. This letter will please you: it is quite historical.
→Leb' wohl! der Brief wird dir recht sein, er ist ganz historisch.  

MAY 22. That the life of man is but a dream, many a man has surmised heretofore;
→ Am 22. Mai.   Daß das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum.

When I consider the narrow limits within which our active and inquiring faculties are confined;
→Wenn ich die Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind;

when I see how all our energies are wasted in providing for mere necessities, which again have no further end than to prolong a wretched existence;
→wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu verlängern,

and then that all our satisfaction concerning certain subjects of investigation ends in nothing better than a passive resignation, whilst we amuse ourselves painting our prison -walls with bright figures and brilliant landscapes,- when I consider all this, Wilhelm, I am silent.
→und dann, daß alle Beruhigung über gewisse Punkte des Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die Wände, zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt – Das alles, Wilhelm, macht mich stumm.

I examine my own being, and find there a world, but a world rather of imagination and dim desires, than of distinctness and living power.
→ Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt! Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft.

Then everything swims before my senses, and I smile and dream while pursuing my way through the world.
→Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die Welt.

All learned professors and doctors are agreed that children do not comprehend the cause of their desires;
→Daß die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrten Schul- und Hofmeister einig;

-but that the grown-up should wander about this earth like children, without knowing whence they come, or whither they go, influenced as little by fixed motives, but guided like them by biscuits, sugar-plums, and the rod, - this is what nobody is willing to acknowledge; and yet I think it is palpable.
→daß aber auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem Erdboden herumtaumeln und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen, ebensowenig nach wahren Zwecken handeln, ebenso durch Biskuit und Kuchen und Birkenreiser regiert werden: das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen greifen.

I know what you will say in reply; for I am ready to admit that they are happiest, who, like children, amuse themselves with their playthings, dress and undress their dolls, and attentively watch the cupboard, where mamma has locked up her sweet things, and, when at last they get a delicious morsel, eat it greedily, and exclaim,
→Ich gestehe dir gern, denn ich weiß, was du mir hierauf sagen möchtest, daß diejenigen die Glücklichsten sind, die gleich den Kindern in den Tag hinein leben, ihre Puppen herumschleppen, aus- und anziehen und mit großem Respekt um die Schublade umherschleichen, wo Mama das Zuckerbrot hineingeschlossen hat, und, wenn sie das gewünschte endlich erhaschen, es mit vollen Backen verzehren und rufen:

"More!" These are certainly happy beings; but others also are objects of envy, who dignify their paltry employments, and sometimes even their passions, with pompous titles, representing them to mankind as gigantic achievements performed for their welfare and glory.
→»Mehr!« – Das sind glückliche Geschöpfe. Auch denen ist's wohl, die ihren Lumpenbeschäftigungen oder wohl gar ihren Leidenschaften prächtige Titel geben und sie dem Menschengeschlechte als Riesenoperationen zu dessen Heil und Wohlfahrt anschreiben.

But the man who humbly acknowledges the vanity of all this, who observes with what pleasure the thriving citizen converts his little garden into a paradise, and how patiently even the poor man pursues his weary way under his burden,
→– Wohl dem, der so sein kann! Wer aber in seiner Demut erkennt, wo das alles hinausläuft, wer da sieht, wie artig jeder Bürger, dem es wohl ist, sein Gärtchen zum Paradiese zuzustutzen weiß, und wie unverdrossen auch der Unglückliche unter der Bürde seinen Weg fortkeucht, und alle gleich interessiert sind, das Licht dieser Sonne noch eine Minute länger zu sehn

and how all wish equally to behold the light of the sun a little longer, yes, such a man is at peace, and creates his own world within himself;
→ – ja, der ist still und bildet auch seine Welt aus sich selbst und ist auch glücklich, weil er ein Mensch ist.

And then, however limited his sphere, he still preserves in his bosom the sweet feeling of liberty, and knows that he can quit his prison whenever he likes.
→Und dann, so eingeschränkt er ist, hält er doch immer im Herzen das süße Gefühl der Freiheit, und daß er diesen Kerker verlassen kann, wann er will.  


→MAY 26. You know of old my ways of settling anywhere, of selecting a little cottage in some cosy spot, and of putting up in it with every inconvenience. Here, too, I have discovered such a snug, comfortable place, which possesses peculiar charms for me.
→Am 26. Mai.   Du kennst von alters her meine Art, mich anzubauen, mir irgend an einem vertraulichen Orte ein Hüttchen aufzuschlagen und da mit aller Einschränkung zu herbergen. Auch hier habe ich wieder ein Plätzchen angetroffen, das mich angezogen hat.

→About a league from the town is a place called Walheim. It is delightfully situated on the side of a hill; and, by proceeding along one of the footpaths which lead out of the village, you can have a view of the whole valley.
→Ungefähr eine Stunde von der Stadt liegt ein Ort, den sie Wahlheim nennen. Die Lage an einem Hügel ist sehr interessant, und wenn man oben auf dem Fußpfade zum Dorf herausgeht, übersieht man auf einmal das ganze Tal.

A good old woman lives there, who keeps a small inn. She sells wine, beer, and coffee, and is cheerful and pleasant notwithstanding her age.
→Eine gute Wirtin, die gefällig und munter in ihrem Alter ist, schenkt Wein, Bier, Kaffee;

The chief charm of this spot consists in two linden-trees, spreading their enormous branches over the little green before the church, which is entirely surrounded by peasants cottages, barns, and homesteads.
→und was über alles geht, sind zwei Linden, die mit ihren ausgebreiteten Ästen den kleinen Platz vor der Kirche bedecken, der ringsum mit Bauerhäusern, Scheuern und Höfen eingeschlossen ist.

I have seldom seen a place so retired and peaceable; and there often have my table and chair brought out from the little inn, and drink my coffee there, and read my Homer.
→So vertraulich, so heimlich hab' ich nicht leicht ein Plätzchen gefunden, und dahin lass' ich mein Tischchen aus dem Wirtshause bringen und meinen Stuhl, trinke meinen Kaffee da und lese meinen Homer.

Accident brought me to the spot one fine afternoon, and I found it perfectly deserted.
→Das erstemal, als ich durch einen Zufall an einem schönen Nachmittage unter die Linden kam, fand ich das Plätzchen so einsam.

→Everybody was in the fields except a little boy about four years of age, who was sitting on the ground, and held between his knees a child about six months old: he pressed it to his bosom with both arms, which thus formed a sort of arm-chair; and, notwithstanding the liveliness which sparkled in its black eyes, it remained perfectly still.
→Es war alles im Felde; nur ein Knabe von ungefähr vier Jahren saß an der Erde und hielt ein anderes, etwa halbjähriges, vor ihm zwischen seinen Füßen sitzendes Kind mit beiden Armen wider seine Brust, so daß er ihm zu einer Art von Sessel diente und ungeachtet der Munterkeit, womit er aus seinen schwarzen Augen herumschaute, ganz ruhig saß.

The sight charmed me. I sat down upon a plough opposite, and sketched with great delight this little picture of brotherly tenderness.
→Mich vergnügte der Anblick: ich setzte mich auf einen Pflug, der gegenüber stand, und zeichnete die brüderliche Stellung mit vielem Ergetzen.

I added the neighbouring hedge, the barn-door, and some broken cart-wheels, just as they happened to lie; and I found in about an hour that I had made a very correct and interesting drawing, without putting in the slightest thing of my own.
→Ich fügte den nächsten Zaun, ein Scheunentor und einige gebrochene Wagenräder bei, alles, wie es hinter einander stand, und fand nach Verlauf einer Stunde, daß ich eine wohlgeordnete, sehr interessante Zeichnung verfertiget hatte, ohne das mindeste von dem Meinen hinzuzutun.

This confirmed me in my resolution of adhering, for the future, entirely to nature.
→Das bestärkte mich in meinem Vorsatze, mich künftig allein an die Natur zu halten.

She alone is inexhaustible, and capable of forming the greatest masters.
→Sie allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den großen Künstler.

Much may be alleged in favour of rules, as much may be likewise advanced in favour of the laws of society:
→Man kann zum Vorteile der Regeln viel sagen, ungefähr was man zum Lobe der bürgerlichen Gesellschaft sagen kann.

an artist formed upon them will never produce anything absolutely bad or disgusting; as a man who observes the laws, and obeys decorum, can never be an absolutely intolerable neighbour, nor a decided villain:
→Ein Mensch, der sich nach ihnen bildet, wird nie etwas Abgeschmacktes und Schlechtes hervorbringen, wie einer, der sich durch Gesetze und Wohlstand modeln läßt, nie ein unerträglicher Nachbar, nie ein merkwürdiger Bösewicht werden kann;

but yet, say what you will of rules, they destroy the genuine feeling of nature, as well as its true expression.
→dagegen wird aber auch alle Regel, man rede was man wolle, das wahre Gefühl von Natur und den wahren Ausdruck derselben zerstören!

Do not tell me "that this is too hard, that they only restrain and prune superfluous branches, etc."
→Sag' du: ›Das ist zu hart! sie schränkt nur ein, beschneidet die geilen Reben‹ usw.

My good friend, I will illustrate this by an analogy. These things resemble love. A warmhearted youth becomes strongly attached to a maiden: he spends every hour of the day in her company, wears out his health, and lavishes his fortune, to afford continual proof that he is wholly devoted to her.
→– Guter Freund, soll ich dir ein Gleichnis geben? Es ist damit wie mit der Liebe. Ein junges Herz hängt ganz an einem Mädchen, bringt alle Stunden seines Tages bei ihr zu, verschwendet alle seine Kräfte, all sein Vermögen, um ihr jeden Augenblick auszudrücken, daß er sich ganz ihr hingibt.

Then comes a man of the world, a man of place and respectability, and addresses him thus:
→Und da käme ein Philister, ein Mann, der in einem öffentlichen Amte steht, und sagte zu ihm:

Feiner junger Herr! Lieben ist menschlich, nur müßt Ihr menschlich lieben! Teilet Eure Stunden ein, die einen zur Arbeit, und die Erholungsstunden widmet Eurem Mädchen.
→"My good young friend, love is natural; but you must love within bounds. Divide your time: devote a portionto business, and give the hours of recreation to your mistress.

→Calculate your fortune; and out of the superfluity you may make her a present, only not too often, - on her birthday, and such occasions."
→Berechnet Euer Vermögen, und was Euch von Eurer Notdurft übrig bleibt, davon verwehr' ich Euch nicht, ihr ein Geschenk, nur nicht zu oft, zu machen, etwa zu ihrem Geburts – und Namenstage‹ etc.

Pursuing this advice, he may become a useful member of society, and I should advise every prince to give him an appointment; but it is all up with his love, and with his genius if he be an artist. O my friend!
→– Folgt der Mensch, so gibt's einen brauchbaren jungen Menschen, und ich will selbst jedem Fürsten raten, ihn in ein Kollegium zu setzen; nur mit seiner Liebe ist's am Ende und, wenn er ein Künstler ist, mit seiner Kunst. O meine Freunde!

why is it that the torrent of genius so seldom bursts forth, so seldom rolls in full-flowing stream, overwhelming your astounded soul? Because, on either side of this stream, cold and respectable persons have taken up their abodes, and, forsooth, their summer-houses and tulip-beds would suffer from the torrent; wherefore they dig trenches, and raise embankments betimes, in order to avert the impending danger.
→warum der Strom des Genies so selten ausbricht, so selten in hohen Fluten hereinbraust und eure staunende Seele erschüttert? – Liebe Freunde, da wohnen die gelassenen Herren auf beiden Seiten des Ufers, denen ihre Gartenhäuschen, Tulpenbeete und Krautfelder zugrunde gehen würden, die daher in Zeiten mit Dämmen und Ableiten der künftig drohenden Gefahr abzuwehren wissen.


→ MAY 27. I find I have fallen into raptures, declamation, and similes, and have forgotten, in consequence, to tell you what became of the children.
→ Am 27. Mai.   Ich bin, wie ich sehe, in Verzückung, Gleichnisse und Deklamation verfallen und habe darüber vergessen, dir auszuerzählen, was mit den Kindern weiter geworden ist.

Absorbed in my artistic contemplations, which I briefly described in my letter of yesterday, I continued sitting on the plough for two hours.
→ Ich saß, ganz in malerische Empfindung vertieft, die dir mein gestriges Blatt sehr zerstückt darlegt, auf meinem Pfluge wohl zwei Stunden.

Toward evening a young woman, with a basket on her arm, came running toward the children, who had not moved all that time. She exclaimed from a distance,
→Da kommt gegen Abend eine junge Frau auf die Kinder los, die sich indes nicht gerührt hatten, mit einem Körbchen am Arm und ruft von weitem:

"You are a good boy, Philip!" She gave me greeting: I returned it, rose, and approached her. I inquired if she were the mother of those pretty children.
→ »Philipps, du bist recht brav.« – Sie grüßte mich, ich dankte ihr, stand auf, trat näher hin und fragte sie, ob sie Mutter von den Kindern wäre?

"Yes," she said; and, giving the eldest a piece of bread, she took the little one in her arms and kissed it with a mother's tenderness.
→Sie bejahte es, und indem sie dem ältesten einen halben Weck gab, nahm sie das kleine auf und küßte es mit aller mütterlichen Liebe.

"I left my child in Philip's care," she said, "whilst I went into the town with my eldest boy to buy some wheaten bread, some sugar, and an earthen pot." I saw the various articles in the basket, from which the cover had fallen.
→ – »Ich habe«, sagte sie, »meinem Philipps das Kleine zu halten gegeben und bin mit meinem Ältesten in die Stadt gegangen, um weiß Brot zu holen und Zucker und ein irden Breipfännchen.« – Ich sah das alles in dem Korbe, dessen Deckel abgefallen war.

"I shall make some broth to-night for my little Hans (which was the name of the youngest): that wild fellow, the big one, broke my pot yesterday, whilst he was scrambling with Philip for what remained of the contents."
→– »Ich will meinem Hans (das war der Name des Jüngsten) ein Süppchen kochen zum Abende; der lose Vogel, der Große, hat mir gestern das Pfännchen zerbrochen, als er sich mit Philippsen um die Scharre des Breis zankte.«

I inquired for the eldest; and she bad scarcely time to tell me that he was driving a couple of geese home from the meadow, when he ran up, and handed Philip an osier-twig.
→– Ich fragte nach dem Ältesten, und sie hatte mir kaum gesagt, daß er sich auf der Wiese mit ein paar Gänsen herumjage, als er gesprungen kam und dem Zweiten eine Haselgerte mitbrachte.

I talked a little longer with the woman, and found that she was the daughter of the schoolmaster, and that her husband was gone on a journey into Switzerland for some money a relation had left him.
→Ich unterhielt mich weiter mit dem Weibe und erfuhr, daß sie des Schulmeisters Tochter sei, und daß ihr Mann eine Reise in die Schweiz gemacht habe, um die Erbschaft eines Vetters zu holen.

"They wanted to cheat him," she said, "and would not answer his letters; so he is gone there himself. I hope he has met with no accident, as I have heard nothing of him since his departure."
→– »Sie haben ihn drum betriegen wollen«, sagte sie, »und ihm auf seine Briefe nicht geantwortet; da ist er selbst hineingegangen. Wenn ihm nur kein Unglück widerfahren ist, ich höre nichts von ihm.«

I left the woman, with regret, giving each of the children a kreutzer, with an additional one for the youngest, to buy some wheaten bread for his broth when she went to town next; and so we parted.
→ – Es ward mir schwer, mich von dem Weibe los zu machen, gab jedem der Kinder einen Kreuzer, und auch fürs jüngste gab ich ihr einen, ihm einen Weck zur Suppe mitzubringen, wenn sie in die Stadt ginge, und so schieden wir von einander.

I assure you, my dear friend, when my thoughts are all in tumult, the sight of such a creature as this tranquillises my disturbed mind. She moves in a happy thoughtlessness within the confined circle of her existence; she supplies her wants from day to day; and, when she sees the leaves fall, they raise no other idea in her mind than that winter is approaching.
→Ich sage dir, mein Schatz, wenn meine Sinne gar nicht mehr halten wollen, so lindert all den Tumult der Anblick eines solchen Geschöpfs, das in glücklicher Gelassenheit den engen Kreis seines Daseins hingeht, von einem Tage zum andern sich durchhilft, die Blätter abfallen sieht und nichts dabei denkt, als daß der Winter kommt.

Since that time I have gone out there frequently. The children have become quite familiar with me; and each gets a lump of sugar when I drink my coffee, and they share my milk and bread and butter in the evening.
→Seit der Zeit bin ich oft draußen. Die Kinder sind ganz an mich gewöhnt, sie kriegen Zucker, wenn ich Kaffee trinke, und teilen das Butterbrot und die saure Milch mit mir des Abends.

They always receive their kreutzer on Sundays, for the good woman has orders to give it to them when I do not go there after evening service.
→ Sonntags fehlt ihnen der Kreuzer nie, und wenn ich nicht nach der Betstunde da bin, so hat die Wirtin Ordre, ihn auszuzahlen.

They are quite at home with me, tell me everything; and I am particularly amused with observing their tempers, and the simplicity of their behaviour, when some of the other village children are assembled with them.
→Sie sind vertraut, erzählen mir allerhand, und besondersergetze ich mich an ihren Leidenschaften und simpeln Ausbrüchen des Begehrens, wenn mehr Kinder aus dem Dorfe sich versammeln.

It has given me a deal of trouble to satisfy the anxiety of the mother, lest (as she says) "they should inconvenience the gentleman."
→Viel Mühe hat mich's gekostet, der Mutter ihre Besorgnis zu nehmen, sie möchten den Herrn inkommodieren.

MAY 30. What I have lately said of painting is equally true with respect to poetry.
→Am 30. Mai.   Was ich dir neulich von der Malerei sagte, gilt gewiß auch von der Dichtkunst;

→It is only necessary for us to know what is really excellent, and venture to give it expression; and that is saying much in few words.
→es ist nur, daß man das Vortreffliche erkenne und es auszusprechen wage, und das ist freilich mit wenigem viel gesagt.

To-day I have had a scene, which, if literally related, would, make the most beautiful idyl in the world. But why should I talk of poetry and scenes and idyls?
→Ich habe heute eine Szene gehabt, die, rein abgeschrieben, die schönste Idylle von der Welt gäbe; doch was soll Dichtung, Szene und Idylle?

Can we never take pleasure in nature without having recourse to art?
→muß es denn immer gebosselt sein, wenn wir teil an einer Naturerscheinung nehmen sollen?

If you expect anything grand or magnificent from this introduction, you will be sadly mistaken.
→Wenn du auf diesen Eingang viel Hohes und Vornehmes erwartest, so bist du wieder übel betrogen;

It relates merely to a peasant-lad, who has excited in me the warmest interest.
→es ist nichts als ein Bauerbursch, der mich zu dieser lebhaften Teilnehmung hingerissen hat.

As usual, I shall tell my story badly; and you, as usual, will think me extravagant.
→Ich werde, wie gewöhnlich, schlecht erzählen, und du wirst mich, wie gewöhnlich, denk' ich, übertrieben finden;

It is Walheim once more - always Walheim - which produces these wonderful phenomena.
→ es ist wieder Wahlheim, und immer Wahlheim, das diese Seltenheiten hervorbringt.

A party had assembled outside the house under the linden-trees, to drink coffee.
→Es war eine Gesellschaft draußen unter den Linden, Kaffee zu trinken.

The company did not exactly please me; and, under one pretext or another, I lingered behind.
→Weil sie mir nicht ganz anstand, so blieb ich unter einem Vorwande zurück.

A peasant came from an adjoining house, and set to work arranging some part of the same plough which I had lately sketched.
→Ein Bauerbursch kam aus einem benachbarten Hause und beschäftigte sich, an dem Pfluge, den ich neulich gezeichnet hatte, etwas zurecht zu machen.

His appearance pleased me; and I spoke to him, inquired about his circumstances, made his acquaintance, and, as is my wont with persons of that class, was soon admitted into his confidence.
→Da mir sein Wesen gefiel, redete ich ihn an, fragte nach seinen Umständen, wir waren bald bekannt und, wie mir's gewöhnlich mit dieser Art Leuten geht, bald vertraut.

He said he was in the service of a young widow, who set great store by him.
→Er erzählte mir, daß er bei einer Witwe in Diensten sei und von ihr gar wohl gehalten werde.

He spoke so much of his mistress, and praised her so extravagantly, that I could soon see he was desperately in love with her.
→Er sprach so vieles von ihr und lobte sie dergestalt, daß ich bald merken konnte, er sei ihr mit Leib und Seele zugetan.

"She is no longer young," he said: "and she was treated so badly by her former husband that she does not mean to marry again."
→Sie sei nicht mehr jung, sagte er, sie sei von ihrem ersten Mann übel gehalten worden, wolle nicht mehr heiraten,

From his account it was so evident what incomparable charms she possessed for him, and how ardently he wished she would select him to extinguish the recollection of her first husband's misconduct, that I should have to repeat his own words in order to describe the depth of the poor fellow's attachment, truth, and devotion.
→und aus seiner Erzählung leuchtete so merklich hervor, wie schön, wie reizend sie für ihn sei, wie sehr er wünsche, daß sie ihn wählen möchte, um das Andenken der Fehler ihres ersten Mannes auszulöschen, daß ich Wort für Wort wiederholen müßte, um dir die reine Neigung, die Liebe und Treue dieses Menschen anschaulich zu machen.

It would, in fact, require the gifts of a great poet to convey the expression of his features, the harmony of his voice, and the heavenly fire of his eye.
→Ja, ich müßte die Gabe des größten Dichters besitzen, um dir zugleich den Ausdruck seiner Gebärden, die Harmonie seiner Stimme, das heimliche Feuer seiner Blicke lebendig darstellen zu können.

No words can portray the tenderness of his every movement and of every feature: no effort of mine could do justice to the scene.
→Nein, es sprechen keine Worte die Zartheit aus, die in seinem ganzen Wesen und Ausdruck war; es ist alles nur plump, was ich wieder vorbringen könnte.

His alarm lest I should misconceive his position with regard to his mistress, or question the propriety of her conduct, touched me particularly.
→Besonders rührte mich, wie er fürchtete, ich möchte über sein Verhältnis zu ihr ungleich denken und an ihrer guten Aufführung zweifeln.

The charming manner with which he described her form and person, which, without possessing the graces of youth, won and attached him to her, is inexpressible, and must be left to the imagination.
→Wie reizend es war, wenn er von ihrer Gestalt, von ihrem Körper sprach, der ihn ohne jugendliche Reize gewaltsam an sich zog und fesselte, kann ich mir nur in meiner innersten Seele wiederholen.

I have never in my life witnessed or fancied or conceived the possibility of such intense devotion, such ardent affections, united with so much purity.
→Ich hab' in meinem Leben die dringende Begierde und das heiße, sehnliche Verlangen nicht in dieser Reinheit gesehen, ja wohl kann ich sagen, in dieser Reinheit nicht gedacht und geträumt.

Do not blame me if I say that the recollection of this innocence and truth is deeply impressed upon my very soul; that this picture of fidelity and tenderness haunts me everywhere; and that my own heart, as though enkindled by the flame, glows and burns within me.
→Schelte mich nicht, wenn ich dir sage, daß bei der Erinnerung dieser Unschuld und Wahrheit mir die innerste Seele glüht, und daß mich das Bild dieser Treue und Zärtlichkeit überall verfolgt, und daß ich, wie selbst davon entzündet, lechze und schmachte.

I mean now to try and see her as soon as I can: or perhaps, on second thoughts, I had better not;
→Ich will nun suchen, auch sie ehstens zu sehn, oder vielmehr, wenn ich's recht bedenke, ich will's vermeiden.

it is better I should behold her through the eyes of her lover. To my sight, perhaps, she would not appear as she now stands before me; and why should I destroy so sweet a picture?
→Es ist besser, ich sehe sie durch die Augen ihres Liebhabers; vielleicht erscheint sie mir vor meinen eigenen Augen nicht so, wie sie jetzt vor mir steht, und warum soll ich mir das schöne Bild verderben?  

→JUNE 16. "Why do I not write to you?" You lay claim to learning, and ask such a question. You should have guessed that I am well - that is to say - in a word, I have made an acquaintance who has won my heart:
→Am 16. Junius. Warum ich dir nicht schreibe? – Fragst du das und bist doch auch der Gelehrten einer. Du solltest raten, daß ich mich wohl befinde, und zwar – Kurz und gut, ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht.

I have - I know not. To give you a regular account of the manner in which I have become acquainted with the most amiable of women would be a difficult task.
→Ich habe – ich weiß nicht. Dir in der Ordnung zu erzählen, wie's zugegangen ist, daß ich eins der liebenswürdigsten Geschöpfe habe kennen lernen, wird schwer halten.

I am a happy and contented mortal, but a poor historian.
→Ich bin vergnügt und glücklich, und also kein guter Historienschreiber.

An angel! Nonsense! Everybody so describes his mistress; and yet I find it impossible to tell you how perfect she is, or why she is so perfect:
→Einen Engel! – Pfui! das sagt jeder von der Seinigen, nicht wahr? Und doch bin ich nicht imstande, dir zu sagen, wie sie vollkommen ist, warum sie vollkommen ist;

suffice it to say she has captivated all my senses. So much simplicity with so much understanding - so mild, and yet so resolute - a mind so placid, and a life so active.
→genug, sie hat allen meinen Sinn gefangengenommen. So viel Einfalt bei so viel Verstand, so viel Güte bei so viel Festigkeit, und die Ruhe der Seele bei dem wahren Leben und der Tätigkeit.

But all this is ugly balderdash, which expresses not a single character nor feature.
→– Das ist alles garstiges Gewäsch, was ich da von ihr sage, leidige Abstraktionen, die nicht einen Zug ihres Selbst ausdrücken.

Some other time - but no, not some other time, now, this very instant, will I tell you all about it.
→Ein andermal – nein, nicht ein andermal, jetzt gleich will ich dir's erzählen.

Now or never.
→Tu' ich's jetzt nicht, so geschäh' es niemals.

Well, between ourselves, since I commenced my letter, I have been on the point of throwing down my pen, of ordering my horse, and riding out.
→Denn, unter uns, seit ich angefangen habe zu schreiben, war ich schon dreimal im Begriffe, die Feder niederzulegen, mein Pferd satteln zu lassen und hinauszureiten.

And yet I vowed this morning that I would not ride to-day, and yet every moment I am rushing to the window to see how high the sun is.
→Und doch schwur ich mir heute früh, nicht hinauszureiten, und gehe doch alle Augenblick' ans Fenster, zu sehen, wie hoch die Sonne noch steht.

I could not restrain myself - go to her I must. I have just returned, Wilhelm; and whilst I am taking supper I will write to you.
→Ich hab's nicht überwinden können, ich mußte zu ihr hinaus. Da bin ich wieder, Wilhelm, will mein Butterbrot zu Nacht essen und dir schreiben.